Über die Gäste des Hauses Sommer

Brief eines ehemaligen Mitarbeiters vom 7. Mai 1938

«Vorerst meine herzlichsten und innigsten Glück- und Segenswünsche.

Ich war mit der Firma Sommer eine Zeitlang stammverwandt, anfang der 1880iger Jahre war ich ca. 3 Jahre als junger Mann in dem Geschäft tätig. Das Geschäft befand sich wie auch heute noch in der Luisenstraße in einem damals ganz imposantem Hause, die Linsenburg genannt. Der Erbauer dieses Grundstücks war der Rentner und Kaufmann Linsenbarth. Solche auffallenden Bauten hatte Weimar seinerzeit nicht viel aufzuweisen.

Die Firma Hermann Sommer gehörte damals zu den ersten Geschäften dieser Branche. Als Abnehmer sollen hervorgehoben werden der damalige Großherzog Carl Alexander, der Erbgroßherzog Carl August, verschiedene Gesandte wie Herrschaften, welche mit dem Hof verbunden waren, der Adel usw. Auch mit Stolz konnte Franz Liszt zu den treuen Abnehmern gezählt werden. Die Einkäufe für den Haushalt wurden von der Haus- oder Wirtschaftsdame getätigt. Liszt bekam allmonatlich 25 Flaschen Sekt (Kessler & Co. Esslingen). Diese Einkäufe gingen zumeist durch die Hände des damaligen Kammerdieners Spiritan Knesewitz, welcher später ein Zigarrengeschäft in der Wielandstraße eröffnete. Liszt liebte Wein, Weib und Gesang. Bei dem ersteren konnte man das schon aus den Bezügen der Firma Sommer entnehmen, und zweitens war er den jungen Damen und seinen Schülerinnen immer sehr hold und erfreute diese oftmals mit einem oder mehreren Gläschen Sekt, um eine feuchtfröhliche Stimmung herbeizuführen und dies wurde meist recht ausgiebig erreicht. Liszt war ein Künstler ersten Ranges von einzigartiger Begabung, er wandte erst Liszt an, dann sandte er ihr einen Strauß und schon war das Beethoven (Bett offen).

Diese Geheimnisse, welche mir von meinem späteren Geschäftsfreund Spiritan Knesewitz zum Teil verraten wurden, mögen der Firma Sommer in Erinnerung bleiben. Die dritte Generation steht heute noch der Firma Sommer vor. Möge das unauslöschlich bis in alle Zukunft zur Freude und Wohlgefallen aller Angehörigen, Freunde und Gönner bleiben und diesen Wünschen schließe ich mich ganz besonders an.

Hermann Eismann»